Update 05.02.2005 Lernort Lindwurmstraße 185 Der Mord an Joachim Both
Autoren:
Andreas Heusler, Tobias Weger: "Kristallnacht": Gewalt gegen die Münchner Juden im November 1938
München, Buchendorfer Verlag, 1998
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Die Gewaltexzesse der Nationalsozialisten gegen jüdische Bürger und gegen jüdischen Besitz in der Nacht zum 10. November 1938 forderten auch in München mindestens ein Todesopfer - den Kaufmann Joachim (Chaim) Both. Die Vorgänge, die zum tragischen Tod von Both führten, lassen sich nur zum Teil rekonstruieren. Die Tatbeteiligten, aber auch die Polizei- und Justizorgane des NS-Staates hatten kein Interesse an einer vorbehaltlosen und gewissenhaften Aufklärung des Geschehens. So bleibt, was die Schuldfrage anlangt, heute vieles im Dunkeln, kann über die Frage, ob es sich um einen Unglücksfall oder um kaltblütigen Mord gehandelt hat, in der Rückschau nur mehr spekuliert werden. Die wenigen Quellen geben uns immerhin Hinweise und Anhaltspunkte über den Ablauf der Ereignisse. Sie lassen es bei strenger Abwägung aller Informationen als wahrscheinlich erscheinen, daß Joachim Both nicht das Opfer einer fahrlässigen Tötung wurde, sondern ganz bewußt ermordet wurde.
Joachim Both wurde am 8. Mai 1876 in der galizischen Stadt Rzeszow geboren. Seine Eltern Hersch und Grüna Both (geborene Hirschkorn) betrieben ein Glasergeschäft. Über Kindheit und Jugend Boths, auch über seinen weiteren beruflichen Werdegang, gibt es keine Zeugnisse. Wir wissen lediglich, daß er erst relativ spät — im Alter von 31 Jahren — die aus Jarosiaw stammende Mar-jem Zeimer (geboren am 3. September 1880) heiratete. Weiter ist bekannt, daß sich das Ehepaar irgendwann nach 1907 im Geburtsort der Frau, etwa 50 km östlich von Rzeszow gelegen, niederließ. Am 8. Mai 1908 kam das erste Kind der Boths, Maksemil, zur Welt.