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Lernort Lindwurmstraße 185
Der Mord an Joachim Both |
Teil 10 |
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Stellungnahme der Deutschen Arbeitsfront, Gau München-Oberbayern, vom 29.6.1937 zur Geschäftstätigkeit von Juden in München (11):
»Die Hauptstadt der Bewegung mit dem Sitz der Reichsleitung der NSDAP nimmt im nationalsozialistischen Deutschland eine Stellung ein, die es in keiner Weise ermöglicht, daß ein deutsches Geschäft in jüdische Hände übergeht. (...) Wir können uns in der Hauptstadt der Bewegung auf keinen Fall leisten, den Beispielen der Stadt Berlin zu folgen, sondern müssen gerade, was den Einfluß von Juden im Handel anbetrifft, auf äußerste Sauberkeit sehen. (...) Im Einzelhandel treten immer häufiger Fälle ein, daß jüdische Geschäfte aufgegeben werden bezw. in deutsche Hände überführt werden. Es ist dies als Zeichen zu werten, daß die Existenzmöglichkeiten für Geschäfte mit jüdischen Inhabern immer geringer werden. Die Haltung eines großen Teiles der Verbraucherschaft in der Hauptstadt der Bewegung ist derart, daß jüdische Geschäfte nicht betreten werden. Diese Gesinnung gewinnt immer mehr an Boden, so daß einem Geschäft, das noch dazu neu mit einem jüdischen Inhaber besetzt würde, keine Aussicht auf Lebensfähigkeit gegeben werden kann. (...)«
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Das bereits erwähnte Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München wurde im September 1950 eingestellt. Der Todesschütze Schenk war - wie eine Reihe anderer beteiligter SA-Männer - während des Krieges gefallen. Die anderen Beschuldigten gaben zu Protokoll, an den Ausschreitungen in der Nacht zum 10. November 1938 nicht beteiligt gewesen zu sein oder — wegen des starken Alkoholkonsums — die Erinnerung an die Ereignisse verloren zu haben. Der Mord an Joachim Both blieb demnach ungesühnt.
Das Herrenbekleidungsgeschäft »Both & Zeimer« wurde wie alle noch bestehenden jüdischen Geschäfte in München am 10. November 1938 geschlossen. (12) Marjem Both und ihr Sohn Max mußten ihre Wohnung in der Lindwurmstraße räumen und fanden vorübergehende Unterkunft bei Verwandten in der Dietlindenstraße 9. Das Warenlager des Geschäfts wurde von einem »arischen« Kaufmann übernommen, der im Januar seinen Betrieb von der Artilleriestraße in die Lindwurmstraße 185 verlegte. Max Both gelang im Jahr 1939 die Emigration nach England. Marjem Both wurde am 20. November 1941 von München aus zusammen mit 1.000 anderen jüdischen Männern, Frauen und Kindern in die litauische Stadt Kaunas deportiert, wo sie am 25. November 1941 von Angehörigen des Einsatzkommandos 3 bei einer Massenerschießung ermordet wurde. (13) |
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Anm. 11 StadtAM Gewerbeamt, Abgabe 7/12a, Bd.4, Akt Ehrenhaus.
Anm. 12 StadtAM Gewerbeamt, Abgabe 7/12a.
Anm. 13 IfZ Fa 208, Deportationsliste vom 15. November 1941. |
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